Hydroponics – mein einfaches Setup für frischen smarten Salat

Jedes Jahr aufs neue versuchen wir Gemüse anzubauen im Garten. Jedes Jahr geht das Projekt aber schief, außer ein paar vereinzelten Tomaten ist die Ausbeute leider bisher immer sehr gering gewesen. Dieses Jahr ein neuer Versuch: Mit einer Hydrokultur, d.h. Pflanzen die nicht in Erde wachsen, sondern in einem Trägermaterial (Glaswolle, Tonerde, usw.). Statt normal zu Gießen sind die Wurzeln permanent in einem Wasserbad oder werden in Intervallen mit Wasser durchspült. Wer sich für die Theorie interessiert, der findet bei Wikipedia ein paar einführende Informationen.

Um den WAF (Woman acceptance Factor) im ersten Jahr hoch zu halten und schnell starten zu können, habe ich ein paar Standard Blumenkästen modifiziert um uns die Diskussion über Pflanzen in Abflussrohren zu ersparen. Nachdem es dieses Jahr bisher reichlich Salat zu essen gab, könnte ich mir vorstellen, dass im nächsten Jahr auch eine Variante mit Rohren toleriert werden würde.

Was ist Hydroponics?

Hydropinics oder Hydrokulturen ist eine Pflanzart, bei der die Pflanze nicht in Erde sondern einem Substrat gepflanzt wird. Die Wurzeln sind permanent von Wasser umgeben, welches mit Nährstoffen angereichert ist.

Vorteil Hydrokulturen

Die großen Vorteile von Hydrokulturen sind:

  • weniger Wasserbedarf (kaum Verdunstung, da ein geschlossener Kreislauf)
  • weniger Düngemittelbedarf (die Nährstofflösung kann exakt gedüngt werden, kein Verlust durch auswaschen bei Regen)
  • weniger Schmutz: Salat kann direkt ohne großes Putzen verzehrt werden
  • weniger Ungeziefer: Subjektive Erfahrung, da ich dieses Jahr bisher keine Schnecke oder anderes Getier vorgefunden habe
  • System läuft Autark. Kein Gießen notwendig (jedoch dennoch Kontrolle des Systems auf Wasserstand, Verstopfen, …)
  • Theoretisch ganzjährig Anbauen in Innenräumen / Gewächshäusern möglich
  • bessere Nährstoffversorgung, besseres Wachstum, mehr Ertrag

Nachteile von Hydroponics

  • ohne Dünger geht nichts. Da hier keine Erde mit einem gewissen Grundgehalt an Nährstoffen zum Einsatz kommt, muss zwingend gedüngt werden.
  • Fehler im System wie Verstopfungen können das gesamte „Beet“ zum erliegen bringen.
  • Hoher Maß an initialen Anschaffungen. Pumpe, Netztöpfe, Rohre, Schläuche müssen vorhanden sein oder erworben werden. Wer ein 3D Drucker im Haus hat, hat es hier einfacher.

Einfaches NFT System

Ich habe mich bei der Umsetzung für eine Art NFT (Nutrient film technique) System entschieden. Bei diesem fließt permanent Wasser um die Wurzeln. Da ich keinen dauerhaften Pumpenbetrieb wollte, ist es bei mir eine Art NFT geworden. In den Kästen bleibt unten jeweils ca 2cm Wasser stehen und eine Pumpe wird aller 15 Minuten für 10 Sekunden aktiviert und pumpt frisches Wasser in den Kreislauf.

Das regelmäßige Pumpen ist von hoher Bedeutung. Dadurch kommt neuer Sauerstoff in das Wasser und die Wurzeln bekommen bleiben gesund und fangen nicht an zu gammeln. Fällt die Pumpe aus oder ist das System verstopft, dann fangen die Wurzeln schnell an modrig zu werden.

Pumpensteuerung Hydroponics

Wenn man sein System nicht dauerhaft mit Wasser aktiv durchspülen möchte, braucht es eine Steuerung der Pumpe.
Dies ist mit einer einfachen Zeitschaltuhr möglich. Je nach Pumpenstärke kann dies jedoch zu stark sein und es kommt zum Überlaufen im System. Daher sollte eine Zeitschaltuhr verwendet werden die kurze AN-Zyklen kann. Meistens können diese aber nur 15 Minuten Blöcke oder ähnliches schalten.
Im Smart-Home, speziell mit Homeassistant, ist das wiederum eine einfache Sache: eine Automatisierung die aller /15 Minuten für 30 Sekunden einen Zigbee Stecker aktiviert ist schnell aufgesetzt und die Hardware Kosten sind gering.

Anzucht

Optimistisch wie ich bin, wollte ich die erste Anzucht selbst machen und habe einige Samen bestellt und das in Anzuchtboxen verteilt. Leider ist mein grüner Daumen so gering, dass selbst in den Anzuchtkästen die Keimlinge vertrocknet sind.
Danach habe ich Setzlinge direkt am Wochenmarkt oder in der Gärtnerrei gekauft. Diese Kosten unter 20 Cent das Stück und können direkt in das System eingesetzt werden.

Gepflanzt werden diese bei mir in Tonkugeln. Dazu wasche ich die Erde aus den Wurzeln und setze diese tief in selbstgedruckte Netztöpfe. Klappt wunderbar, auch ohne grünen Daumen.

Dünger für Hydroponics

Mit dem Düngen ist es eine Sache für sich. Normaler chemischer Dünger hat eine ähnliche Zusammensetzung für spezieller Hydroponics-Dünger. Hier kann man durchaus probieren wie sich die Pflanzen verhalten und wie der Geschmack ist.

Meine ersten Versuche mit organischem Dünger waren leider ein Griff ins Klo – das System hat Algen angesetzt und die Wasserqualität sank stark ab. Danach wechselte ich zu normalem chemischen Dünger. Das Pflanzenwaschstum war hiermit sehr gut, jedoch schmeckte der Salat etwas bitter.

Als nächstes probierte ich Hydrokultur Dünger aus, und ich muss eingestehen, dass hierbei Wachstum und Geschmack die sinnvollsten Resultate brachten. Dieser kostet etwas mehr als der klassische Dünger aus dem Baumarkt, jedoch auch nicht mehr als ein Spezialdünger für z.B. Bambuspflanzen.

Das Düngen des Systems ist einfach. Ich fülle jeden Sonntag das verbrauchte Wasser nach in den Tank. Da ich dies mit der Gießkanne mache, kann ich grob abschätzen wieviele Liter ich nachgefüllt habe und gebe anschließend die entsprechende Menge Dünger nach Dosieranweisung dazu. Der Wasserverbrauch ist so gering, dass ich nur ca. 3 Liter pro Woche nachfülle. In einem Hochbeet gießt man täglich deutlich mehr.

Die Ernte

Ernten ist super einfach mit einem Wasserkultur System. Frau schreit aus der Küche „Haben wir noch Salat“ – „Jo“. Jetzt entweder Netztopf mit dem gesamten Salatkopf mitnehmen oder bei Blattsalat entsprechend alles was man benötigt zupfen.

Das Experiment Hydrokultur war für mich ein Erfolg. Es gab ein paar Fehlschläge (verdorbene Wurzeln, bittren Salat) aber auch ordentlich Ertrag mit wenig Schmutz, Arbeit und Platzverschwendung.
Im nächsten Jahr geht es definitiv weiter und aktuell überlege ich, wie ich im Spätherbst mit einem Zeltgewächshaus und eventuell einer Kompostheizung das System bis in den frühen Winter kriege.

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